Wie ging das nochmal mit der Konsequenz?

Jaja, die liebe Konsequenz. Wenn es doch nur so leicht wäre! Und wenn Kinder nicht so schrecklich penetrant und ausdauernd wären! Und man selbst etwas konzentrierter, weniger müde und klarer im Kopf… Mama, darf ich ein Eis? Nein, heute nicht. Aber Mami, ich will aber ein Eis! Nein, mein Schatz, wir essen gleich Abendbrot. Guck mal, Mama, der Friedrich isst ein Eis! Nein, jetzt nicht. Ich will jetzt aber ein Eis! Wuhääää! Na gut, ok, ist mir auch egal, dann kriegst du halt ein Eis.

Vorsicht! Ganz böse Falle. Sobald wir nämlich anfangen, nur manchmal konsequent zu sein und ab und zu nachzugeben, wird es gefährlich. Dann wirkt nämlich das Prinzip der „intermittierenden Verstärkung“. Nochmal zur Wiederholung – ein Verhalten, welches regelmäßig belohnt wird und positive Konsequenzen nach sich zieht, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit häufiger ausgeführt, also verstärkt. Belohnt man das Verhalten (Betteln) nun nicht jedes Mal, sondern nur jedes zweite oder dritte Mal – also „intermittierend“ statt „konstant“ – geschieht folgendes: Es wird nicht schwächer, nein, es wird noch mehr verstärkt! Es wird eingebrannt ins Verhaltensmuster und ist praktisch löschungsresistent. Ich weiß nicht, wie Mama dieses Mal reagieren könnte, also probiere ich es einfach noch einmal. Könnte ja sein, dass ich Glück habe. Ein Teufelskreis. Ist das Verhalten einmal eingebrannt, hilft nix mehr – außer brachialer Konsequenz oder Ignoranz (demnächst im Artikel „Löschung und Habituation – Warum Ignorieren manchmal die beste Lösung ist“).

Eine hilfreiche Strategie um andauernden Tests vonseiten des Kindes zu entgehen, besteht in der Anfertigung einer Prioritätenliste. In dieser Liste macht man zwei Spalten:

  1. Was ist mir wirklich wichtig? Wo kann und will ich immer, also wirklich immer, absolut konsequent sein? Bei uns ist das zum Beispiel die Regel, dass man niemanden schlägt und niemandem etwas wegnimmt. Da gibt es keine Kompromisse.
  2. Was ist mir weniger wichtig? Wo kann ich auch mal nachgeben, ohne dass es mich groß stört? Bei uns wäre es das das Beispiel mit dem Eis kaufen. An manchen Abenden gibt es eine klare Linie, an anderen geben wir nach – meist aber sofort ohne groß darüber zu diskutieren. Lass mich kurz überlegen – Ja, heute darfst du ein Eis essen.

Sofern Du in einer Partnerschaft lebst, solltest Du diese Liste auf jeden Fall gemeinsam mit Deinem Partner durchgehen, damit Ihr Euch einig und klar seid. So verhindert Ihr spätere Auseinandersetzungen in der jeweiligen Situation. Und Ihr verhindert das sogenannte diskriminative Lernen – bei Mama darf ich nicht, bei Papa könnte ich es mal versuchen…

Eine andere schöne Falle, in die wir als Eltern tappen können, ist die „Verstärkungsfalle“. Solange die Kinder lieb und unauffällig sind, atmen wir auf und widmen uns unseren eigenen Tätigkeiten. Werden die Kinder jedoch plötzlich quengelig und nervig, bekommen sie sofort unsere Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist, wie wir gesehen haben, eine adäquate Belohnung – im Sinne von „lieber negative Zuwendung als gar keine“. Von daher sollten wir uns immer mal wieder Zeit dafür nehmen, nach den Kindern zu schauen, ihnen unsere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen und ihr Spiel wohlwollend zu kommentieren und zu würdigen. Über ein bisschen Würdigung und positive Zuwendung freut sich schließlich jeder. Aber auch bei akuten Trotzanfällen kann positive Verstärkung von ersten Anzeichen der Besserung (ein Lächeln zum Bespiel) wahre Wunder wirken.

Also, nochmal zur Wiederholung:

  1. Prioritäten setzen! Unterscheide zwischen Verhaltensweisen, bei denen du nachgeben kannst und welchen, bei denen du nicht nachgeben darfst und willst.

  2. Stimme dich mit deinem Partner ab.

  3. Sag nicht „Nein!“ und lass dich dann „weich klopfen“, wenn du die intermittierende Verstärkung vermeiden willst.

  4. Wenn du dir unsicher bist, gebe dir selbst eine kurze Bedenkzeit und sage dem Kind: „Ich überlege es mir noch.“

  5. Verstärke positives Verhalten deines Kindes und warte nicht erst bis es mit negativem Verhalten um Aufmerksamkeit „bettelt“!

So, jetzt bist du gewappnet für die Unbilden der Konditionierung und ihrer liebsten Freunde „intermittierende Verstärkung“ und „Verstärkungsfalle“. Jetzt kannst du dich zurücklehnen und ganz entspannt konsequent sein. Um es mit den Worten von Balu dem Bären zu sagen: „Probiers mal… mit Gemütlichkeit! Mit Ruhe und Gemütlichkeit!“ Und woher sollen wir diese Ruhe nehmen? Zum Beispiel mit einer kurzen Übung oder Blitzentspannung 🙂

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